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Samstag, 5. Januar 2013

Das Märchen von den "Drei-König-Singer"

Es war einmal ein Gasthaus in einem lieblichen Seitental im Schwarzwald, das Jägerstüble.
Jedes Jahr, um den 6. Januar, kehrten dort ein paar Männer der ehemaligen Alten-Herren-Mannschaft des SVO ein, um sich bei gutem Schnitzel und viel Bier von ihrem Wander-Wochenende auf der "Hark" zu stärken, bevor es wieder nach Hause zu Weib und Kinder ging. Die Wirtin vom Jägerstüble musste immer viel Bier im Hause haben und konnte an diesem Tage immer ihre Meisterleistungen im "Bier zapfen" unter Beweis stellen. Die "Alten Herren" waren ein lustiges Völkchen, schäckerten mit der Wirtin, sangen alte Lieder und erzählten tolle Witze - so machte der Wirtin ihr hartes Leben Spaß! Viele Jahre zuvor hatte sie diese Männer die "Drei-Königs-Singer" getauft und so freute sie sich in jedem neuen Jahr auf die Wandersmänner.
Anno 2013, am 05. Januar trudelten diese Herren wieder in ihrem Jägerstüble ein und alle freuten sich sogleich über den kleinen Weihnachtsbaum, der am kleinen Fensterlein stand: "Isch des aber ä scheener Chrischtbaum!". Die Wirtin wunderte sich sehr, dass Männer ihre Weihnachtsdekoration bewunderten - das war nicht alltäglich! Schnell begann sie kleine Biergläser mit goldenem Hopfennektar zu füllen, löschte damit den Männern ihr erster Durst, bestellte beim Koch die gewünschten Schnitzel für die Mannschaft und musste sich sogleich um die nächste Runde Biere kümmern. Zwischen den Geschichtchen und Witzen der Männer kam aber immer wieder dieser Spruch: "Isch des aber ä scheener Chrischtbaum!"
Als die Schnitzel verdrückt waren deuteten die Burschen wieder auf den kleinen Weihnachtsbaum mit dem selben Satz: "Isch des aber ä scheener Chrischtbaum!"
Irgendwann wurde es der geduldigen Wirtin zu bunt und sie fragte einfach, warum die Männer heute denn ihren Christbaum so schön fanden. Worauf einer ihr erklärte, dass es im Allgäu und in Teilen von Schwaben Brauch sei, in der Weihnachtszeit seine Nachbarn zu besuchen und deren Christbaum zu "loben". Dafür erhält man dann einen Schnaps. Und diesen Brauch hätten besagte "Alte Herren" am vorigen Abend auf der "Hark" ausprobiert und doch wirklich jedes Mal einen Schnaps vom Wirt erhalten. Und natürlich erfolgte nach diesem Berichte auch gleich in einstimmigem Chor ein: "Isch des aber ä scheener Chrischtbaum!"
Die Wirtin wollte natürlich dem Harkbauer in nichts nachstehen und schenkte eine Runde besten Williams Christ für die Männer ein, die ihn dankbar annahmen.
Als sie sich Stunden später den Rucksack umschnallten und sich auf den Heimweg machten, musste einer von ihnen noch einmal der Wirtin ihr "Christbaum loben", welche daraufhin sich das Bäumchen schnappte, es dem netten Herrn in die Arme drückte und sagte: " Nimm's halt mit, wenn's d'r so g'fallt!". Der Wandersmann, den Baum unterm Arm, verließ unter lautem Gelächter der anderen Gäste das Wirtshaus und die restlichen hübschen Kerle trotteten hinterher Tal abwärts.

Und, wie jedes Jahr, wenn die Burschen das Holdersbachtal hinaus wankten, kehrten sie auf halber Strecke noch bei "Gerhard" ein, einem Ex-Kicker-Kameraden. Dort wollten sie dieses Jahr seiner holden Frau einen Weihnachtsbaum überreichen, meinten sie! Das freute die Wirtin sehr, denn Gerhard würde ihr garantiert das Bäumchen wieder bringen, wenn er das nächste Mal zum Hopfentrunk ins Jägerstüble kommen wird ;-)
Aber die AH-Herren werden sicher auch ihre Tradition einhalten und marschierten kurz vor dem Tal-Ende noch bei "Jakob" durch die Hintertür in's Haus und durch die Küchentür wieder raus in Richtung Dorf. "Jakob" freute sich jedes Jahr über den kurzen Marsch durch seine Küche!
Und wenn die "Alten Herren" nicht gestorben sind, dann leben sie auch nächstes Drei-König-Fest noch und werden die Wirtin im Holdersbachtal wieder erfreuen!

Da stand er einmal - der Chrischtbaum!